Hand in Hand spazierten wir durch die abendliche Stille. Unsere Finger verflochten sich ineinander. Ein zärtlicher Druck festigte das Geflecht – wir waren irgendie durch ein unsichtbares Seelenband miteinander verbunden.
Hinter der dichten Augenbraue des Laubwaldes lag die See ruhig und geheimnisvoll, wie ein geheimnisvolles Auge im grünen Gesicht der Natur.

Trauerweiden rankten ihre Fingerkuppen in den See, wie wilde Haarstränen, und spielten verträumt mit dem Wasser.
Seerosen in verschiedenen Farben, wucherten aus der trüben Linse des Sees. Tagelang regnete es ununterbrochen und das Seeauge blickte noch tränenverschleiert in die Natur.

Die Sonne legte sich uns an jenem Sommerabend zu Füßen und lächelte zufrieden als unsere Blicke sich trafen. Wir sahen uns liebevoll an und schwiegen. Kein einziges Wort sollte die Harmonie der Stille durchbrechen. Irgendwo im hohen Gras versteckt zirpte eine Grille ihre Serenade und ein einsamer Schmetterling verirrte sich auf einer blauen Wiesenblume.
Die Sonne verabschiedete sich von uns und färbte dien Himmel in der Farbe der Liebe, bevor sie im Seeauge versank.

Wir setzen uns nebeneinander ins Gras und tauchten unsere müden Füße ins frische Wasser. War es wirklich das Wasser, das uns erschaudern ließ, oder das Verlangen uns zu küssen?
Er warf ein Steinchen ins Wasser und an der Stellean welcher das Steinchen hineinfiel, bildeten sich kleine Kreise die sich immer mehr auszuweiten schienen.
Es war nicht die aufkommende Energie der Wellen, die das Wasser aufwühlte, die uns animierte. Es waren unserere Sinne, die von den Küssen ausgelöste Energie – die Leidenschaft.

Jener hervorgerufene Wunsch, etwas mit Hingabe zu tun, mit der Gewissheit, dass es Liebe ist. Die Leidenschaft ist ein Zeichen der Liebe, die das Leben leiten. Es bleibt aber jedem selbst überlassen, die Zeichen zu deuten und ihnen zu folgen.

Um uns herum schien die Welt im Seeauge zu versinken. Wir sahen nur noch uns als einzige Lebewesen auf dem Planeten der Liebe. Wir waren zu jeder Wahnsinnstat, die die Liebe uns abverlangte fähig.

Wir vergaßen die Zeit, als unsere Körper sich zärtlich streiften. Unsere Kleider schienen sich wie Nebel in der Morgensonne aufzulösen, als Kuss um Kuss unsere Körper elektrisierte und alle Genüsse freilegte. Wir gaben uns hin. Wir waren schutzlos, intim, verletzbar und nackt.

Wir wollten fühlen, die Liebe in ihrer Ganzheit erleben, erlernen, begreifen.
Gemeinsam lernten unsere Körper die Sprache unserer Seele und unsere Sinne waren rote Fäden der Liebe. Wir verlängerten den Abend und raubten der Nacht alle Zeit. Der Mond schien schüchtern, als wollte er uns nicht stören. Wie eine versteckte Straßenlaterne beleuchtete er unser Himmelbett am versteckten See. Unserem Verlangen gaben wir uns hin, wie hungrige Neugeborene ihrem ersten Instinkt. Heftig, fordernd und sinnlich.

Der rote Faden der Leidenschaft verknüpfte Körper und Seele wie eine Nabelschnur die nährt.Im Morgenrot reckte sich verschlafen die Sonne und liebkoste unsere engumschlungenen Körper und führte uns befriedigt aus dem Traum in die Realität zurück.

Still lag die See, verträumt durch die Seerosen blickend und die Sonnenstrahlen spielte mit den Tautropfen. Oder waren es leise Tränen des Glücks…….?