Was für ein besinnlicher Abend. Seit meiner frühesten Kindheit sind mir solche „Wir müssen mal wieder Tante Soundso besuchen“-Wochenenden verhasst. Stundenlanges Schweigen, unterbrochen von teilweise panikartigem Geschwätz und hysterischen Lachanfällen meinerseits.

Dieses Mal hatte es uns ganz besonders schlimm getroffen. Nicht nur, dass wir seit jeher den zweiten Advent bei meiner Großtante Gerda feierten, nein, wir begingen auch noch ihren 80. Geburtstag. Und da wir aus allen Himmelsrichtungen den Weg in den flachen Norden gefunden hatten, wurden wir selbstverständlich bei Tante Gerda einquartiert.
Grundsätzlich ein feiner Zug meiner Großtante, doch aus Platzmangel steckte sie meinen Liebsten und mich mit Tante Lisbeth und Onkel Hein in ein Zimmer. „Das macht Euch jungen Leuten doch nichts aus? För eene Nacht is dat doch nich so schlimm?!“

Nicht schlimm? Nein. Es war SEHR schlimm! Hein und Lisbeth schnarchten wie die Weltmeister, an Schlaf war nicht zu denken. Diese Nacht hatte ich mir eigentlich ganz anders vorgestellt. Nach langer Zeit endlich mal wieder ein Wochenende mit dem Liebsten zu verbringen – ungestört…

Typisch Mann (?) blieb er dann auch ganz gelassen. „Entspann Dich.“, flüsterte er mir ins Ohr. Wir können doch nicht…! Ohje. Und wie wir konnten.
So tief und fest wie die alten Herrschaften schliefen, dem Schnarchen nach zu urteilen, fiel sogar meine anfängliche Zurückhaltung von mir ab. Der eine oder andere kleine Seufzer kam über meine sinnlichen Lippen – jedes Mal durch leidenschaftliche Küsse erstickt. Sicher war sicher.

Strahlend begrüßte uns mein Onkel am nächsten Morgen. „Konntet Ihr auch nicht schlafen? Lisbeth hat die ganze Nacht so fürchterlich geschnarcht – ich hab’ kein Auge zugetan.“ Augenzwinkernd schenkte er sich einen Kaffee ein und ließ mich mit hochrotem Kopf stehen.

Oh, Du (be)sinnliche Weihnachtszeit.